DONAUESCHINGER DRACHENTAGE 3.-4. Mai 2003

     

            

       

       

                 


Artikel vom Deutschen Südkurier 05.05.2003
Drachentage locken 30000 Menschen

Ideale Bedingungen verleihen der jüngsten Donaueschinger Großveranstaltung eine ganz besondere Pracht  Die 1993 gegründeten Donaueschinger Drachentage haben am Wochenende endgültig aufgeschlossen in die Spitzengruppe der Baaremer Großveranstaltungen wie Reitturnier oder Straßenmusiksonntag, deren Format und Attraktivität überregionale Bedeutung erreichen. Bei herrlichem Frühsommerwetter mit einer leichten Brise erlebten mehr als 30000 Besucher ein buntes Spektakel, inszeniert von den renommiertesten Könnern dieser Disziplin aus mehreren Ländern. 

Donaueschingen VON WOLFGANG LOSERT
Nach so manchen Auflagen während der vergangenen zehn Jahre, in denen dieses bunten Open-Air-Festival seine Allwettertauglichkeit unter Beweis stellen musste, stand diese Kreation im Donaueschinger Festtagskalender nun endlich in  voller Blüte. Etwa siebentausend Schaulustige kamen schon am Samstag auf die "Steppe" des für "echte Flugzeuge"  gesperrten Flugplatzes und erlebten da vor allem die Starkwind-Drachen in Aktion, die mächtig an den Schnüren ihrer "Kutscher" zerrten. Bis zu vierzig Meter lang blies der Wind die Kraken und Monster, Fußballer-Beine und Taucher,  Katzen und Fische auf und machte damit vor allem Kindern eine Freude.

Doch noch größer war das Wetterglück für dieses bedeutendste Meeting der Drachensport-Szene in Süddeutschland am gestrigen Sonntag. Stabiler und gar nicht mehr ruppiger Wind föhnte über die Flugplatzwiesen, genau richtig für die attraktivste Gattung von Himmelsstürmern im Gepäck der rund 300 angereisten Drachenbauer- und Drachensportler aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Holland, die Schwachwind-Drachen. Ein fast 600 Meter in den Himmel schwänzelndes "Rückgrat" aus über tausend kleinen Elementen spulten sich dann ab, eine dreißig Meter lange Windturbine wälzte sich über der Grasnabe, ein  Schwarm Kraniche und allerhand anderes Getier standen am Himmel, die Piloten in ihren dreirädrigen Wind-Buggys huschten am  Drachensegel über die Rollbahn. Und ideal waren die Bedingungen auch am Vorführfeld, wo mehr als ein Dutzend nationale Champions  ihrer Disziplin aus Frankreich und Deutschland mit ihren Lenkdrachen demonstrierten, dass Drachensport sehr viele bewegter und bewegender sein kann als die Freizeitangler-Manier, in der Amateure am unteren Drachenschnur-Ende ausharren. Denn aus Frankreich und der Schweiz waren die amtierenden Nationalmeister angereist und führten rasante Flugmanöver vor, zeigten ihr beeindruckendes 
Geschick am Zügel beim Ballett oder in synchroner Choreographie. So manchen Aha-Effekt vermittelten dem Publikum dabei die beiden Kommentatoren Rainer Neuner und Paul May, die dabei schnell aufräumten mit dem Vorurteil, Drachenfliegen sei doch eigentlich nur  was für Schulbuben auf herbstlichen Stoppelfeldern.

Das Novum
Die virtuose Perfektion der Akteure vermittelte dieses Spektakel der Himmelstürmer gestern den knapp 25000 Besucher aus ganz Süddeutschland und den Nachbarländern. Und ein Novum wurde ihnen beschert. Zum erstenmal gab es eine zweite thematische Variation von Windspielen neben den klassischen Drachen, stellten die beiden Franzosen Didier Ferment und Patrik Guilbert und der Weinheimer Uli Wahl ihren Klanggarten vor. Diese erstmals 1996 bei einem französischen Drachentreffen von dem Holländer Robert Valkenburgh entwickelte Performance - den Installationen bei den Donaueschinger Musiktagen nicht unähnlich - verfolgt das Ziel, den Wind musizieren zu lassen. Viel Publikum näherte sich interessiert den Harfen und Flaschen-Pfeifen, den läutenden Bambus-Propellern und akustischen Apparaturen, welche die Akteure aus China und auf Bali abgeschaut haben, wo ähnliche Instrumente zu rituellen Zwecken eingesetzt werden. In zwei Jahren wollen die drei Debütanten wieder kommen, signalisierten sie den Festival-Organisatoren vom Drachenclub der Baar, Wolfgang Karrer und Heinz Bunse.  
Ohnehin war für die Beiden die sechste Drachentage-Auflage in vielerlei Hinsicht zum Muster besten Gelingens geworden: Das Publikum war
entzückt vom Charme dieser Veranstaltung, den auch Bürgermeister Bernhard Kaiser gestern lobte und Anerkennung aussprach. Die namhaften
Akteure der in Deutschland neuerdings wieder schrumpfenden Drachensport-Szene gaben spontan ihre Wiedersehens-Zusage für die
Zukunft. Das Publikum erlebte zwei Open-Air-Erlebnistage mit einem kurzweiligen Hauptprogramm zum Nulltarif und effektvollen Zugaben wie
Heißluftballons-Starts und Heli-Rundflügen. Und die Stadt Donaueschingen lackierte am Wochenende ihr Stadtmarketing-Image mit einer erfolgreichen Veranstaltung nach, die im Breitwand-Format angekommen ist.

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